Drei Monate Ungarn – Ein Erlebnis
von Ann Kristin Hanschmann
Auch wenn es vermutlich am Anfang etwas komisch und arg exotisch klingen mag, zum Schüleraustausch nach Ungarn zu gehen, so kann ich nur sagen, dass das die beste Entscheidung war, die ich treffen konnte!
Natürlich hatte ich am Anfang Bedenken wegen der Sprache und anderer Sachen, aber keine meiner Befürchtungen hat sich bewahrheitet. Ich habe vorher ein wenig mit einer Bekannten Ungarisch gelernt, sodass ich am Anfang nicht völlig ohne Sprachkenntnisse dastand.
Mein erster Schultag war schon ein echtes Erlebnis, so wie alles eigentlich. Vieles ist in den ungarischen Schulen anders. Schon allein das System und das allgemeine Verhalten sind völlig verschieden. So kommen alle Schüler zu Feierlichkeiten oder Gottesdiensten immer in schwarzer Hose und weißer Bluse und stehen am Anfang und Ende der Stunde auf und begrüßen bzw. verabschieden die Lehrer. In der Schule haben alle Schüler eine Art Kittel getragen, der obligatorisch war. Ein blauer Kittel mit gelbem Streifen für die Mädchen und mit grünem für die Jungen. Zum Sportunterricht haben alle dasselbe gelbe Schul-T-Shirt getragen, wobei darauf in den oberen Klassen allerdings nicht mehr so geachtet wurde.
Von meiner Klasse bin ich super gut aufgenommen worden, auch wenn am Anfang logischerweise die Sprachbarriere zu überwinden war. Mit meinen Freunden und Lehrern habe ich nur auf Englisch gesprochen und zum Schluss natürlich auch etwas Ungarisch. In der Schule habe ich ganz normal beim Unterricht mitgemacht, was natürlich nicht immer einfach war, weil z.B. in Fächern wie Geschichte oder Religion das Verstehen der Sprache trotz geringer Vorkenntnisse extrem schwierig war.
Auch an den anderen Klassenaktivitäten wie z.B. Ausflügen habe ich teilgenommen. So waren wir schon in meiner zweiten Schulwoche mit der kompletten Schule zu einer Art „Sport-Camp“ unterwegs, um zwei Tage lang verschiedene Sportarten wie Volleyball, Fußball, Handball oder Basketball zu spielen. Ein anderes Mal waren wir zu einer Ausstellung oder haben an der „Städte-Mission“ in Budapest teilgenommen. Ein echtes Highlight war für mich die Teilnahme an einem Schulmannschaften-Handballturnier in Kecskemét, einer Stadt, die ca. eine Stunde entfernt von Budakeszi entfernt ist. Budakeszi selbst liegt knapp 20 Minuten vor den Toren von Budapest.
Aber auch mit meiner Gastfamilie habe ich mich super verstanden und viel unternommen. Die Mutter meiner Gastfamilie war eine Schweizerin, sodass die Verständigung mit der Familie ohne Probleme auf Deutsch ablaufen konnte. Mit ihnen war ich unter anderem am Balaton (Plattensee), in der Puszta und zum Skifahren an der slowakischen Grenze. Ein ganz besonderes Erlebnis war ein Rundflug in einem kleinen Sportflugzeug über Budapest und Umgebung mit dem Gastvater.
Zudem habe ich natürlich viele neue Freunde gefunden, mit denen ich viel unternommen habe. Von einem Erlebnisbadbesuch über Bowlen, Kino, bis hin zur Disco war alles dabei!
Den Abschluss in der Schule bildete für mich der Abschlussball der 12. Klassen Ende November, was wirklich einmalig war, oder „tök jó“ – auf Deutsch wörtlich „Kürbis gut“, bedeutet aber so etwas wie „Hammer“ – wie man dort so schön zu sagen pflegt!
Mein Resümee von drei Monaten Ungarn lautet, dass man eine solche Chance wie den Schüleraustausch auf alle Fälle wahrnehmen sollte, weil man viele Erlebnisse hat und neue Erfahrungen sammelt, ein neues Land kennen lernt und vor allen anderen Dingen viele neue Freunde findet. Und auch vor einem Land wie Ungarn mit solch einer „exotischen“ Sprache sollte man nicht zurückschrecken, denn so liebe und Gastfreundliche Menschen habe ich selten irgendwo erleben dürfen!